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Außerschulischer Lernort Kaiserdom in Königslutter

<p style='float:right; margin:0 10px 0 10px; font-style:italic;'>Foto: Andreas Greiner-Napp</p> <p style='margin:0;'>Bild 1</p>

Dass es in Königslutter einen in vielerlei Hinsicht bedeutungsvollen Dom gibt, ist spätestens seit seiner Restaurierung in nah und fern bekannt. Dass in und um den Dom auch ein beliebtes Ziel für Schulklassen entstanden ist, das ist jedoch noch längst nicht bei allen Schülern und Lehrern ins Bewusstsein gerückt. Dies kann sich ändern, wenn der „Außerschulische Lernort am Kaiserdom“ zu seinem Fünf-Jahres-Jubiläum Einblicke in seine Arbeit gibt.

Seit die Idee eines Außerschulischen Lernortes am Dom Gestalt annahm, betreute das mittlerweile 15-köpfige Team bereits fast 200 Schulklassen, auch Lehrer- und Erwachsenengruppen, Kindergartenkinder, selbst hochrangige Politiker waren interessierte Gäste.

<p style='float:right; margin:0 10px 0 10px; font-style:italic;'>Foto: Andreas Greiner-Napp</p> <p style='margin:0;'>Bild 2</p>

Was taten die Mönche den ganzen Tag? Wie gelangten die wunderbaren Malereien in den Dom? Woher kommt der Duft der Heilpflanzen? Und wie entstehen in der Orgel Töne, die in jeder Klangfarbe feierlich klingen? An individuell vereinbarten Vormittagen lernen die Gruppen als aktiv Tätige in verschiedenen Workshops geschichtliche Zusammenhänge, Kräuterheilwissen, die Technik der Schablonenmalerei und mehr kennen – alles altersgemäß aufbereitet und thematisch eng angelehnt an die Schulcurricula.

<p style='float:right; margin:0 10px 0 10px; font-style:italic;'>Foto: Birgit Heinz</p> <p style='margin:0;'>Bild 3: Kräutergarten am Kaiserdom</p>

Die authentische Umgebung mit den jahrhundertealten Linden, der Geruch im Innern des Doms und die historischen Gemäuer stellen viel zwangloser eine gefühlte Verbindung zu den alten Zeiten her, als das im Klassenzimmer möglich wäre. Mit allen Sinnen kann man sich den Eindrücken und den sich ergebenden Fragestellungen öffnen.

Mit unterhaltsamen Aktionen, Informationen, kleinen Snacks und Getränken möchte das Team des Außerschulischen Lernortes Groß und Klein herzlich einladen und Interesse wecken für eine Welt, die die unsrige noch heute nachhaltig beeinflusst.

Termin: Sonntag, 28. Juni 2015 von 11 bis 17 Uhr

Ort: Kaiserdom Königslutter und angeschlossener Kräutergarten

Information: »www.kaiserdom-macht-schule.de

Autorin: Christina Siem
Fotos: Andreas Greiner-Napp, Birgit Heinz

Dieser Artikel über den Außerschulischen Lernort ist in der Zeitschrift „FORMAT Regionalmagazin“ 1/2015 unter „AKTUELL & KOMPAKT“ auf Seite 6 erschienen.

Ein Kaiserdom macht Schule

Außerschulischer Lernort Kaiserdom in Königslutter

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Eric ist begeistert – ein echtes Kettenhemd! Die Augen der Mitschüler werden noch größer, als schließlich ein Nasalhelm in die Runde gegeben wird. So schwer hatte man sich die Ausrüstung eines Ritters nicht vorgestellt! Derweil kämpfen einige Mädchen mit den Mönchskutten – wo ist vorne, wo hinten? Und warum mussten die Mönche so etwas eigentlich anziehen? In einer anderen Ecke bereitet sich indessen der König, der heute einmal Leon heißt, mit seinem Gefolge auf seine Krönung vor. Aber wie hieß nochmal die Kugel mit dem Kreuz obendrauf?

Szenen eines historischen Workshops am außerschulischen Lernort Königslutter. Dass seine Grabeskirche über 850 Jahre nach seinem Tod einmal Schülerinnen und Schülern als spannender Lernort dienen könnte, hätte sich Kaiser Lothar wohl nicht träumen lassen. Aber vermutlich wäre der alte Kaiser ganz zufrieden damit, was in seiner gestifteten Kirche an manchen Tagen so vor sich geht. Denn was diese Bildungsstätte in der Region so einzigartig macht, ist nicht nur die besondere Atmosphäre des Bauwerks, sondern auch das vielfältige, handlungsorientierte Angebot für Schulklassen aus den Bereichen Geschichte, Kunst, Architektur, Musik, Religion und Naturwissenschaften. Lernen am Kaiserdom – das bedeutet in erster Linie Lernen mit allen Sinnen, kreativ sein und selbst zum Entdecker werden. Umgesetzt werden kann dies in zehn frei buchbaren Workshops, die sich jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten widmen, dabei jedoch das Prinzip des fächerübergreifenden Lernens nie aus den Augen verlieren. Inhaltlich orientieren sich sämtliche Angebote an den allgemein gültigen Rahmenrichtlinien. Und ganz nebenbei werden so durch die Verbindung kreativen Tuns mit spielerischer Wissensvermittlung Kompetenzen geschult, Wissen gefestigt und junge Leute für einen nachhaltigen Denkmalschutz sensibilisiert.

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Weit über 3000 Schülerinnen und Schüler haben seit 2010 die Angebote mit Begeisterung wahrgenommen. Die Idee, schulisches und außerschulisches Lernen am Kaiserdom sinnvoll miteinander zu verknüpfen, scheint zu funktionieren.

Ganze Schulklassen haben inzwischen den Dom vermessen, Wappen angefertigt, wie die Domrestauratoren gemalt oder wie die Mönche geschrieben. Andere haben auf einem Teppich liegend das Gewölbe im Chor betrachtet, die Kirche mittels Rallye erkundet oder den Dom zur Kulisse für Rollenspiele gemacht. Manch eine Schulklasse hat sogar schon einen Blick hinter die Orgel werfen dürfen. Für die praktische Arbeit nutzen einige Workshops die Seminarräume in unmittelbarer Domnähe, wo nach Herzenslust gekleckst, gewerkelt und Schablonen oder Collagen hergestellt werden können. Hier findet man auch die Klosterapotheke, in der nach einer Praxis-Einheit im Kräutergarten Salben angerührt, Tee gemischt oder Kräuter erschnuppert werden können.

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Doch wer sind eigentlich die Menschen, die dafür sorgen, dass jeder Workshop auch pannenfrei abläuft? Ohne die 15 engagierten Kräfte, die ihre Kompetenz und Leidenschaft in dieses Projekt stecken, würde dieser Lernort nicht existieren. Sie sind es, die den Kindern und Jugendlichen Lernerlebnisse bescheren, die diesen noch lange im Gedächtnis bleiben. Unterstützung erfahren sie dabei auch von Lehramtsstudenten, die ihrerseits während der Workshops wertvolle Praxiserfahrungen sammeln können.

Drei Damen vom Dom

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Workshops müssen jedoch auch koordiniert, evaluiert und in der Öffentlichkeit beworben werden, damit nicht eines Tages die Schüler ausbleiben. Seit Sommer 2013 teilt sich gleich ein Team von drei Koordinatorinnen die vielfältigen Aufgaben des Projektmanagements. Die Agrar-Ingenieurin Dr. Birgit Heinz kümmert sich unter anderem um den Kräutergarten. Die studierte Juristin und Domführerin Christine Jahn gehört ebenfalls dazu. Die ausgebildete Domführerin Silke Hübner schließlich ist studierte Pädagogin der Fächer Geschichte und Theologie. Jede im Team kann auf jahrelange Workshop-Erfahrung zurückblicken und bringt ihre jeweiligen Kompetenzen in die Steuerung des Lernortes ein.

Wir erinnern uns: ein authentischer Lernort, wo aus und mit der Geschichte gelernt werden kann, wo es ausdrücklich erwünscht ist, kreativ zu sein und seine Sinne zu schärfen. Gute Gründe also, das Klassenzimmer einmal in den Kaiserdom zu verlegen. Kaiser Lothar würde es freuen.

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In der Vierteljahresschrift „VIER VIERTEL KULT HERBST 2014“ der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz ist dieser Artikel über den Außerschulischen Lernort auf Seite 42 erschienen.

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Der Außerschulische Lernort auf dem TU-Day

<b>TU-Day 2014:</b> Schwert, Schild und Duftorgel – alles zum Ausprobieren<br /> <i>Foto: Silke Hübner</i>

TU-Day 2014: Schwert, Schild und Duftorgel – alles zum Ausprobieren
Foto: Silke Hübner

Die bereits seit 3 Jahren bestehende enge Zusammenarbeit des Außerschulischen Lernortes mit dem Historischen Seminar der TU Braunschweig und die daraus hervor­ge­gangenen Seminare am Kaiserdom ermöglichten es, den Lernort in diesem Jahr erstmals auf dem TU-Day zu präsentieren.

Unter dem Titel „Geschichtsforschung Braunschweiger Land – Neue Wege der Geschichtsvermittlung“ wurden Möglich­keiten außer­schulischen historischen Lernens am Beispiel des Kaiserdoms vorgestellt und verdeutlicht, wie wichtig solche „neuen“ Wege insbesondere für Schülerinnen und Schüler sein können, um bedeutsame Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Kommunikation und analytisches Denken zu schulen. Hingewiesen wurde zudem auf die Möglichkeit von (Lehramts)-Studierenden, am Lernort praktische Erfahrungen für ihren späteren Schulalltag zu sammeln, wodurch sie bereits im Studium für außer­schulisches Lernen sensibilisiert werden.

Geboten wurde den Besuchern des TU-Days ein theo­re­tischer und praktischer Einblick in die außerschulische Arbeit vor Ort. Ganz im Sinne des „Lernens mit allen Sinnen“ durften (nicht nur) Kinder Helm, Kettenhaube, Schild und Mönchskutte anfassen und ausprobieren, sondern die Besucher bekamen auch die Gelegenheit, den verschiedenen Aromen der Heil- und Gewürz­­pflanzen des Kräuter­­gartens mithilfe einer Duftorgel auf die Spur zu kommen. Zudem wurden Informationen über sämtliche am Lernort stattfindenden Workshops, wie z. B. „Das Malen wie die Domrestauratoren“ oder das „Scriptorium“ gegeben, indem Beispiele gezeigt und auf die Kompetenz­­entwicklung- und förderung durch handlungs­orientiertes historisches Lernen hingewiesen wurde.

Landesbischof Friedrich Weber im Lernort am Kaiserdom

Besuch des Landesbischof Friedrich Weber im außerschulischen Lernort am Kaiserdom zu Königslutter am 30.10.2013

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Der Kaiserdom macht Schule ... ein außer­ge­wöhnlicher Lernort!

Seit 2010 wendet sich die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, als Eigentümerin des Kaiserdoms, mit ihrem Angebot eines Außerschulischen Lernortes an alle Schulen der Region. Im Rahmen seiner Visitation in der Propstei Königslutter nutzte Landesbischof Friedrich Weber die Gelegenheit, den Außerschulischen Lernort am Kaiserdom zu Königslutter kennenzulernen.

Der Kaiserdom macht Schule, ein Kirchenraum als Lernort; das erscheint nur auf den ersten Blick ungewöhnlich. Bereits in einer 1524 verfassten Schrift Martin Luthers an die Ratsherren alle Städte beklagte Luther den niedrigen Stand der Bildung und fordert die Ratsherren auf, sie sollten doch christliche Schulen aufrichten und erhalten. So eine christliche Schule im weitesten Sinne ist auch der Außerschulischer Lernort am Kaiserdom.

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Die neuen Projektleiterinnen des Außerschulischen Lernortes Dr. Birgit Heinz, Silke Hübner und Christine Jahn und weitere Mitarbeiterinnen präsentierten dem Landesbischof das umfangreiche Lernortangebot. Neben den religionspädagogischen Workshops, finden hier geschichtliche, kunstpädagogische, biologisch-geschichtliche und musikalische Workshops statt. Diese Entwicklung eines außerschulischen Bildungsangebotes, das Religion, Kunst, Biologie, Geschichte und Musik vereint, orientiert sich an den kurrikularen Vorgaben der allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen.

Religion und Bildung als Teil unserer Kultur ist eng miteinander verbunden und liefert einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag. Die Mitarbeiterinnen erläutern, dass der Raum Kirche vielen Schülerinnen und Schülern, aber auch vielen Lehrern wenig vertraut sei und wie erstaunt Schüler seien, dass Jesus nicht im Kaisergrab begraben liege und die wunderbaren Malereien nach August von Essenwein den Prozessionsweg vom Langhaus zur Majaestas Domini in der Apsis des Kaiserdoms darstellten.

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Über 3200 Schüler/innen aus der gesamten Region haben bisher das breit gefächerte Angebot mit altersgerechten Workshops und verschiedenen fachlichen Schwerpunkten in und um den Kaiserdom genutzt.

Landesbischof Weber zeigte sich begeistert von der Vielfalt des Angebotes . Sein Besuch verging leider viel zu schnell . Die Mitarbeiterinnen des Außerschulischen Lernortes überreichten dem Landesbischof zum Abschied einen Wohlfühltee aus angebauten Kräutern im Kräutergarten und eine Engelsdarstellung des Schablonenworkshops.

„Ich komme wieder; beim nächsten Mal mit meinen Studenten“, versprach Landesbischof Weber. Die Mitglieder des Außerschulischen Lernortes freuen sich darauf.

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