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Schüler lernten, wie steinig der Weg sein kann

steinmetz

Wie ist der Kaiserdom aufgebaut? Nach einjähriger Projektarbeit stellten Jugendliche die Ergebnisse vor.

Von Sebahat Arifi (Braunschweiger Zeitung, Helmstedt: 18. Juni 2012, Helmstedt Lokales, Seite H03)

KÖNIGSLUTTER. Wie wichtig Denkmalschutz ist, dafür sollten Schüler ein Gefühl bekommen. Nicht nur im Unterricht, sie sollten sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen, in dem sie selbst etwas fertigten, sich mit Experten berieten und komplexe Aufgaben lösten.

Als Anschauungsobjekt und sozusagen großes Vorbild während des einjährigen Projekts diente der Kaiserdom Königslutter, in dem die Jugendlichen aus fünf Schulen ihre Arbeiten am Freitag vorstellten. Federführend bei diesem Vorhaben war und ist die Steinmetzschule Königslutter und dort Lehrer Achim Brinke. „Es gibt keinen schöneren Ort für Steinmetze“, sagte er im Dom, als er die Beteiligten vorstellte. Dazu zählten auch die BBS Helmstedt, das Berufskolleg aus Rheda-Wiedenbrück, die Haupt- und Realschule Königslutter sowie das berufliche Schulzentrum Löbau.

Bereits seit dem Schuljahr 2010/11 arbeiten die Nachwuchs-Steinmetze aus Königslutter auf ihrem Gelände an einem eigenen Kreuzrippengewölbe. Mittlerweile steht der zweite Bogen, aber: „Die Schüler merken, wie schwierig es ist, unter historischen Bedingungen zu arbeiten, zum Beispiel ohne Zollstock“, beschrieb Brinke die Arbeit. Er verdeutlichte es anhand von ausgestellten Anschauungsobjekten: Vom rohen bis zum fertigen Stein sind zehn Stunden kräftiger Handarbeit mit Hammer und Meißel notwendig. „Wenn Sie sich jetzt hier umsehen und sich nur annähernd ausmalen können, wieviel Steine verbaut wurden, dann wissen Sie, wieviel Arbeit hier drin steckt“, forderte er die Gäste im Dom auf, ihrer Vorstellungskraft freien Lauf zu lassen.

Ein wichtiges Ziel sei es gewesen, herauszuarbeiten, dass die einzelnen Gewerke wie Zimmerleute und Steinmetze eng zusammenarbeiten mussten. Um das große Ganze zusammenzufassen, wurde das Denkmalschutz-Projekt mit „Zelte des Himmels“ betitelt, unter dem alle Gewerke zu finden sind.

Die 17-jährige Laura Meisel von der BBS Helmstedt beschäftigte sich mit Schablonenmalerei und berichtete, wie schwierig das manchmal war: „Wir haben die Schablonen selbst ausgeschnitten, jede einzelne Linie musste nachgezogen werden, das war zum Teil wirklich mühselig.“ Und obwohl sie dafür zum Teil länger in der Schule geblieben ist, hat ihr die Arbeit Spaß gemacht. Gefördert wurde das Projekt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

„Denkmal aktiv“ ist dabei speziell für Schulen gedacht. Achim Brinke zeigt den Weg vom Rohstein (rechts) hin zu einem fertigen Baustein, wie er auch im Kaiserdom zu finden sein könnte.